
11:00 Uhr Fahrerlager auf dem Markt
11:00 Uhr Sehmataler Jazzconsortium
14:00 Uhr Rundfahrt
Als das „Marienberger Dreieck“ bezeichnete man die legendäre Rennstrecke, welche von Marienberg, über die Heinzebank und Wolkenstein, wieder nach Marienberg führte. Dort wurde am 15. Juni 1924 eine Rennserie geboren, welche in den folgenden Jahren ihresgleichen suchte und bis 1937 die europäische Motorradelite in das Erzgebirge lockte und als die schnellste deutsche Straßenrennstrecke jener Zeit galt.
1922 fassten die Herren Felix Müller und Arndt Gühne vom Vorstand des Chemnitzer Motorrad Club 1912 e. V. den Entschluss, ein Rundstreckenrennen durchzuführen.
Das gut ausgebaute Straßennetz rund um Marienberg war von früheren Erzgebirgsfahrten bestens bekannt. Bald wurde der Streckenverlauf mit Heinzebank-Wolkenstein-Marienberg-Heinzebank festgelegt.
Schon ein Jahr später verlegte man Start und Ziel nach Marienberg und so wurden von 1924 bis 1929 und von 1934 bis 1935 sowie 1937 die Vorläufe zur deutschen Motorrad-Straßenmeisterschaft ausgefahren und verhalfen dem „Dreieck“ zu großer Bekanntheit weit über Deutschlands Grenzen hinaus.
Für den sächsischen Fahrzeugbau waren diese Rennen von großer Bedeutung und z.B. die Marken DKW, Wanderer und Schüttof, wurden, aufgrund ihrer Erfolge bei den Rennen, weithin bekannt und begehrt.
Mustergültig organisiert vom Chemnitzer Motorradclub 1912 e.V. und dem Motorradfahrerklub Marienberg und Umgebung e.V. waren Besucherzahlen von mehr als 100.000 je Rennen keine Seltenheit und zeugten von der Beliebtheit dieses motorsportlichen Großereignisses. Es wurden Sonderzüge und Busse von und nach Chemnitz bereitgestellt, um all die Motorsportverrückten nach Marienberg zu bringen. Dieser Enthusiasmus hat sich bis in die Gegenwart auf dem Sachsenring erhalten.
Das Besondere an dieser Rennstrecke, deren Verlauf ein relativ gleichschenkliges Dreieck bildete, war, neben dem Umstand, dass sie durch bewohnte Ortschaften führte, auch das Streckenprofil. Aufgrund der langen Geraden zwischen Marienberg und der Heinzebank, der Heinzebank und Wolkenstein sowie von Wolkenstein nach Marienberg, galt sie als absolute Hochgeschwindigkeitsstrecke, welche den Maschinen alles abverlangte.
Der Start erfolgte als Massenstart in den einzelnen Klassen am Marienberger Markt wo auch das Ziel stand. Die Streckenlänge betrug bis 1934 17,3 Kilometer. Mit dem Bau der Ortsumgehung bei Wolkenstein im Jahre 1935, verkürzte sie sich auf knapp 16 Kilometer und wurde noch schneller.
Das Sächsische Innenministerium, dem die Rennen schon lange ein Dorn im Auge waren, erließ 1929 ein Verbot für Rennen und rennähnliche Veranstaltungen durch bewohnte Ortschaften.
In der Zeit des Rennverbots, von 1929 bis 1933, gelang es jedoch, die Deutsche Sechstage-Fahrt 1930, welche erst zum 3. Mal durchgeführt wurde, nach Marienberg zu holen.
Ab 1933 unterstand dann die Organisation und Durchführung der Rennen der Obersten Nationalen Behörde für den Sport (ONS), Dem Deutschen Automobil Club (DDAC) und dem National Sozialistischen Kraftfahrer Korps (NSKK), Motorstaffel 44 als örtlichem Veranstalter.
Das Rennen 1937 wurde für den 10. Oktober angesetzt, eine Zeit in der hier im Gebirge schon oftmals Schnee lag. In der Tat war das Wetter so schlecht, dass das Rennen aus Sicherheitsgründen nur von den Profis bestritten werden durfte. Es sollte das letzte werden. Als die ONS für 1938 alle Rennen absagte, war damit auch das Aus der legendären Rennstrecke besiegelt, denn nach dem Krieg dachte niemand aus der hungernden und frierenden Bevölkerung an Rennsportveranstaltungen. Erst der im Jahre 1960 gegründete MC Marienberger Dreieck im ADMV der DDR sorgte mit verschiedenen Veteranenveranstaltungen in den Jahren 1965, 1966, 1974, 1985, 1994 und 1996 für eine Renaissance der alten Dreiecks-Strecke. Seit 1998 führt die Stadtverwaltung Marienberg aller zwei Jahre das Traditionstreffen auf dem historischen „Marienberger Dreieck“ durch und den Teilnehmern, Fans und Besuchern ist es zu verdanken, dass das „Dreieck“ auch zukünftig nicht in Vergessenheit geraten wird.
Der alte Streckenverlauf ist heutzutage noch fast komplett so befahrbar wie zur Zeit der Meisterschaftsvorläufe. Man sollte sich einfach einmal die Zeit nehmen und die Strecke in beschaulichem Tempo abzufahren, um zu ahnen, was damals im Renntempo geleistet wurde.
Veranstalter + Quelle: Stadtverwaltung Marienberg